Assessment Center: Grüne Wiese für Revolverhelden

Jede Wette: in Ihrem Assessment-Center-Kompetenz-Katalog steht: Durchsetzungsfähigkeit. Belastbarkeit. Präsentationsfähigkeit. Alles Kompetenzen, die auch ein Revolverheld erfüllt.

Zum Sheriff ernannt wird: die Person, die sich am besten selbst darstellen kann. Die, die gerne im Mittelpunkt steht, die, die sich in den Vordergrund schiebt. Nicht die Person, die am besten für den Job geeignet ist. Immer noch, immer wieder. Wir brauchen dafür nicht in die USA blicken. Wir schaffen das auch selbst.

>>Na, dann setzen Sie sich mal alle in eine Gruppe zusammen und diskutieren miteinander, warum die PFF GmbH ihre Produkte herstellen soll, obwohl die Markttendenzen dagegen sprechen!<<

Los geht´s. Wie Bullen in der Arena werden die armen Bewerber aufeinander losgelassen. Oben auf der Tribüne sitzt der Psychologe und versucht tapfer, die Horde nach diversen Merkmalen zu sortieren. Wer fällt wem ins Wort? Wer schafft es, sich einen argumentativen Vorteil zu erringen? Wer sitzt nur still und stumm da? Wer ist wortstark, wortkarg, wer hört sich Argumente an, wer mäht sie alle nieder?

Nur wer Hörner zeigt, hat eine Chance

Die Bewerber wissen: Nur wer Hörner zeigt, hat eine Chance. (Natürlich müssen die Hörner schön aussehen, nett unter  „Offenheit“ und „Verantwortungsbewusstes Handeln“ verpackt sein.) Diejenigen, die erst einmal nachdenken bevor sie etwas sagen, sind sowieso raus. Der Show-Down entscheidet sich zwischen M., dem fröhlich-positiv-offenen mit den „Big Five“ und D., dem Macher mit Pragmatismus und einem Hauch von Arroganz.

Die schönsten Hörner gewinnen

Anschließend: Die AC-Konferenz. Gewichtig nicken die Köpfe: Ich habe Herrn M. unter „Entspricht den Vorstellungen“ eingestuft, und Sie? „Ich sehe Herrn M. eher unter „Entspricht annähernd unseren Vorstellungen“. Los geht´s im Roulette. Auch hier gewinnt nicht selten derjenige mit den am schönsten eingepackten Hörnern.

Klar machen, wer der neue Sheriff in der Stadt ist

Und dann wird er gekrönt, der Gewinner, der King: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Job! Er (oder „Sie“, ist egal) legt los. 1. Klar machen, wer der neue Sheriff in der Stadt ist. 2. Mögliche Kritiker ins Gefängnis der zukünftig Chancenlosen sperren oder gleich niederschießen. 3. Sich erst dann den Inhalten widmen: Wie waren sie doch gleich? 4. Sich in der Chefetage beliebt machen, indem Kühe von der anderen Weide gekidnappt wurden. 5. Um ein höheres Gehalt bitten, denn diese Sporen hat man sich redlich verdient.

Die Kompetenzen Durchsetzungsfähigkeit, Präsentationsfähigkeit, Belastbarkeit: zu 100 % erfüllt, Yippieyeih, ein Hoch auf das Assessment Center.

Und wir wundern uns über die Wahlergebnisse in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Wie sehen denn unsere eigenen aus, seien sie dank Fachkräftemangels doch deutlich begrenzter?

Validität der Kompetenzen überprüfen

Schuler  hat schon Recht, wenn er Validität („Gültigkeit eines Kriteriums“) auf die Metaebene heben möchte. Sonst misst man, aber das Falsche. Selbstdarstellung an Stelle von Fachkompetenz, Gerissenheit an Stelle von Teamfähigkeit, Egomanie an Stelle von sachlicher Entscheidungsfindung –Unternehmen, die die Prüfung einer klaren Validität seiner AC- Kriterienkataloge scheuen, sollten sich nicht beschweren, wenn es auf den Manageretagen nur so knallt.

Zusätzlich gibt es als Hilfestellung auch noch eine DIN Norm, die regelmäßiges Hinterfragen der Kompetenzkataloge vorsieht: die DIN 33430 , gerade ganz frisch überarbeitet. Also, wenn noch die Währung „DM“ im Angebot ihrer damaligen Beratungsfirma steht, sollten sie sich einmal an etwas Neues heran trauen.

Tranformationale Führung oder lieber „Spiel mir das Lied vom finanziellen Tod“?

Dabei wäre es in VUCA-Zeiten , in Zeiten der transformationalen Führung  doch so sehr wünschenswert, dass es Menschen gibt, die nicht die Eigenoptimierung, sondern das Ziel im Visier haben. Die, die Globalisierung nicht für einen Rodeo Dance halten und Gewinnmaximierung nicht für ein „Spiel mir das Lied vom finanziellen Tod“ der gutgläubigen Anleger. Sondern für Menschen, die ein Unternehmen voran bringen und kein Problem damit haben, auch einmal Anderen die Bühne zu überlassen. Die zuhören, wenn ein Mitarbeiter – ungeachtet seines „Ranges“ – eine gute Idee einbringt, die den Karren nach vorne treibt.

The Code of the West als Kompetenzkatalog der Zukunft

Valide, zukunftsorientierte Kriterienkataloge erstellen ist ganz einfach, da brauchen Sie gar nicht so viele Millionen Euro an Personalberatungen zahlen. Schauen Sie einmal hier: Der Code des Westens.  Wenn Sie diesen „Code of conduct“ (natürlich geschlechterneutral) in ihre Kompetenzkataloge aufnehmen würden, hätten sie keine Probleme mehr und wären prima mit Ihren Führungskräften für die Zukunft gewappnet:

Der Code of Conduct  des Westens als Assessment-Center-Grundlage

Ich helfe einmal  bei der Übersetzung:

Zukunftsorientierung: Frage nicht nach der Vergangenheit. Beurteile eine Person immer nach dem, was sie heute ist

Ehrlichkeit: Stehle niemals das Pferd eines anderen. Ein Pferdedieb bezahlt mit seinem Leben.

Sachlichkeit: Lege Deine Waffen weg, bevor Du Dich an den Esstisch setzt.

Weitblick: Drohe niemals ohne auch gefährliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen.

Vertrauenswürdigkeit: Ehrlichkeit ist verpflichtend: Ein Handschlag ist bindender als ein schriftlicher Vertrag.

Positive Haltung: Ein Cowboy ist freundlich, auch wenn er gerade nicht gut drauf ist. Sich beschweren ist etwas für Weicheier, und Cowboys hassen Weicheier.

Hilfsbereitschaft: Ein Cowboy hilft immer, wenn jemand in Not ist – egal, ob es sich um einen Fremden oder einen Feind handelt.

Fairness: Gibt deinen Feinden eine Chance, sich zu verteidigen. Und: Sei für deine Freunde da, wenn sie dich brauchen.

Bescheidenheit: Richtige Cowboys sind bescheiden. Jemand, der nur blöfft wird nicht toleriert.

Ehrenhaftigkeit: Erschieße niemals eine Frau oder einen unbewaffneten Kerl. Warne, bevor Du schießt.

Dankbarkeit: Sei dankbar. Und rede nicht so viel. Männer brauchen ihren Atem zum atmen.

Mutig: Sei immer mutig. Feiglinge werden nicht akzeptiert.

Umsichtigkeit: Egal wie müde du nach einem langen Ritt bist: pflege erst dein Pferd, dann dich selbst.

Träumen Sie weiter, Sie mit Ihrer Wildwest-Romantik!

„Träumen Sie weiter“ denken Sie? Ja, tue ich, denn ich liebe das Leben. Revolverhelden leben gewöhnlich nicht lange, Cowboys schon.  Das, was jetzt passiert, menschlich und wirtschaftlich, gesellschaftlich und auch politisch, wird einmal ein Ende haben, ist alles nur eine Frage der Zeit. Was dann kommt – wir oder unsere Kinder bestimmen es mit.

Ich zitiere nur noch mal kurz John Wayne: „A man´s got to have a code, a creed to live by, no matter his job“.

Und wenn es nur valide Kompetenzkataloge sind, die wirkliche Helden in den Sattel heben.

 

Herzlichst, Silke Wöhrmann

APT Human Management

Sonnenhöhe 19

22395 Hamburg

Email info(@)apt-woehrmann(.)de

Internet: http://www.apt-human-management.de/

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